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Wirtschaft

28.11.2017 - Artikel

Stand: Oktober 2018

Wirtschaftliche Lage

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1.981Mrd. USD (2017) ist Brasilien  die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt ca. 9.571 USD. Die brasilianische Wirtschaft zeigt einen relativ hohen Grad an Diversifikation. Etwa 73% der Bruttowertschöpfung wird im Dienstleistungssektor erbracht, rund 22% in der Industrie und etwa 5% BIP-Anteil in der Landwirtschaft. 

Hohe Wachstumsraten und solider Beschäftigungszuwachs erhöhten bis vor wenigen Jahren signifikant das globale wirtschaftspolitische Interesse an Brasilien. Dank der Explosion der weltweiten Rohstoffpreise, steigender Löhne und eines verbesserten Zugangs zu Verbraucherkrediten konnte das BIP kräftig expandieren.
Als sich vor wenigen Jahren jedoch das Ende des Wirtschaftsbooms angesichts sinkender Rohstoffpreise, steigender Verschuldung des Privatsektors und sehr niedriger Produktivität ankündigte, versuchte die Regierung, durch höhere Staatsausgaben und Subventionen das Wirtschaftswachstum künstlich hochzuhalten – mit dem Ergebnis eines dramatischen Haushaltslochs (Fiskaldefizit liegt bei ca. 8%) .Nachdem das BIP 2016 um 3,6% gesunken ist, konnte in Brasilien 2017 eine leichte Erholung der Wirtschaftsleistung von 1% verzeichnet werden. 2018 wird laut Prognosen der brasilianischen Zentralbank mit einem Wachstum von 1,5% gerechnet.

Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verschlechtert. Noch vor zwei Jahren lag die Arbeitslosigkeit bei 8,6% und ist mittlerweile bei über 12% angelangt. Mit über 200 Mio. Einwohnern bleibt der starke Binnenmarkt mit über 80% Anteil am BIP der Haupt-Konjunkturmotor. Die Außenwirtschaft spielt mit einem Anteil von rund 20% am BIP eine vergleichsweise geringe Rolle. Eine besonders große Herausforderung für das Wirtschaftswachstum stellt die – auch im internationalen Vergleich – sehr niedrige und weiter sinkende Investitionsquote von ca.16% des BIP dar.

Sorgenkind ist die Industrie. Die niedrige Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie ist insbesondere auf strukturelle Faktoren zurückzuführen, die in Folge der internationalen Wirtschaftslage verstärkt hervortreten. 2017 hat die Industrie ein Nullwachstum verzeichnet.

Die Handelsbilanz Brasiliens hat sich in den letzten Jahren verschlechtert, nahm aber in den letzten 3 Jahren leichten Schwung gegenüber 2014 auf, als die Handelsbilanz sogar erstmals seit über einer Dekade ein Defizit in Höhe von 4,05 Mrd. USD aufwies. 2017 hingegen hat Brasilien das beste Ergebnis seit Aufzeichnung der Daten mit einem Überschuss von 67 Mrd. USD verzeichnet.

Größter Exportmarkt ist China mit einem Anteil ca. 22%, vor der EU mit ca. 16% und den USA mit ca. 12%. Der brasilianische Export ist weiterhin durch Rohstoffe dominiert. Zu den wichtigsten Ausfuhrerzeugnissen gehören Sojaprodukte, Fleisch, Zucker und Eisenerz. Die meisten Importe (21,28%) hat Brasilien 2017 wie im Vorjahr aus der EU bezogen, vor China, den USA und Argentinien.
Die exportorientierte brasilianische Landwirtschaft, die einen Anteil von mehr als 40 % an den wertmäßigen brasilianischen Exporten hat, hat zudem Bedeutung für die Sicherung der Welternährung. So ist Brasilien weltgrößter Produzent von Soja, Zuckerrohr, Orangensaftkonzentraten und Kaffee, zweitgrößter Produzent von Geflügel- und Rindfleisch sowie drittgrößter Produzent von Mais.

Brasilien konnte auch 2017 einen deutlichen Zustrom von Direktinvestitionen in Höhe von rund 60 Mrd. USD verzeichnen. Dieser Wert zeigt deutlich, dass Brasilien weiterhin ein attraktiver Standort für ausländische Investitionen ist. 

Wirtschaftspolitik

Durch die Erschließung der 2008 entdeckten umfangreichen Rohöl- und Erdgasvorkommen an der südöstlichen Atlantikküste könnte Brasilien zu einem der wichtigsten Erdölproduzenten weltweit aufsteigen. Der halbstaatliche Erdölkonzern Petrobras ist allerdings seit Jahren mit erheblichen Korruptionsvorwürfen konfrontiert, die seine Leistungsfähigkeit und potentielle Investitionsfähigkeit erheblich schwächen.
Die Regierung unter Präsident Temer stellte 2016 das neue Programa de Parcerias de Investimentos (PPI – Investitionsprogramm) vor, welches bis 2018 mittels Ausschreibungen eine Reihe von Privatisierungen und Konzessionsvorhaben in unterschiedlichen Bereichen vorsieht (bspw. Transport, Energieversorgung, Abwasser). Innerhalb von drei Jahren sollen Investitionen in Höhe von 70 Mrd. EUR zur Folge haben. Bisher war das Programm insbesondere erfolgreich in Bezug auf die Versteigerung von 4 Flughäfen (Porto Alegre, Florianópolis, Salvador und Fortaleza) sowie bei der Vergabe von Energieerzeugung und Energienetzen. Das Investitionsprogramm wird vom Präsidenten selbst als Vorsitzenden des Verwaltungsrates geleitet und vom Präsidialamt aus gesteuert.
Der Energiebereich kämpfte in der Vergangenheit mit strukturellen Problemen. Anhaltende Dürre, verbunden mit der Abhängigkeit von Wasserkraftwerken, führte zu einer sinkenden Erzeugungsleistung und höheren Preisen. Die Regierung setzt beim Ausbau neuer Erzeugungskapazitäten weiterhin vorrangig auf erneuerbare Energien. Deutschland und Brasilien verbindet auf Ebene der Energieministerien eine Energiepartnerschaft, welche sich auf den Ausbau von Erneuerbaren Energien und der Verbesserung von Energieeffizienz fokussiert.

Die Wirtschaftspolitik ist nach wie vor von Protektionismus geprägt. Es gibt eine Vielzahl von Marktzugangshemmnissen, wie beispielsweise local-content-Regeln oder Besteuerung zum Schutz der heimischen Wirtschaft.
Ein besonderer Schwerpunkt der Außenwirtschaftspolitik Brasiliens bleiben der Mercosul und Südamerika insgesamt. Brasilien und Deutschland setzen sich für Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Mercosul und der EU ein. 

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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